So kommt der Mensch zur Sprache By Dieter E. Zimmer

    So

    Review So kommt der Mensch zur Sprache

    Wie kommt der Mensch zur Sprache? Der Wissenschaftsjournalist Dieter E. Zimmer hat sich mit dem Spracherwerb des Kindes beschäftigt, mit der Sprachentstehung in der Menschheitsgeschichte und dem umfassenden Thema des Zusammenhangs zwischen Sprache und Denken. Es gelingt ihm, die oft schwer verständlichen Erklärungsmodelle in klare Worte zu fassen und die besonderen Eigenschaften der menschlichen Sprache allgemeinverständlich zu erklären. So kommt der Mensch zur Sprache

    Very good book on the current state of language science :) I will start his second book as soon as possible. Without even knowing it, linguists are now deep in Objectivism. When will they realize that? (that's not really what the book is about, that's just my comment ;) ) 9783453600652 Wörter sind Symbole für die Konzepte in unserem Kopf. Wörter vertreten nicht die Dinge selbst. Sie vertreten die Ordnung, die unser Geist den Dingen gibt. Darum ist es auch hoffnungslos, der 'wahren' Bedeutung der Worte nachzujagen; oder gar dem Wesen der Dinge näherkommen zu wollen.
    9783453600652 A clear description of most of the hypothesis-based explanations of language development

    Please note that I put the original German text at the end of this review. Just if you might be interested.

    Zimmer succeeds in providing a good overview of the various approaches of linguists, anthropologists, and physicians to explain the evolution of human speech ability. Where, in principle, except either crassly opposed theories or already refuted theses, some of which had extreme impacts by the fashionable at the time of creation worldview, until today nothing profound can be said to the development of human language.
    In contrast to other areas of research where the advancement of technical possibilities will yield many revelations, there are problems in verbal affairs. On the one hand, from a neurological point of view, only the time span of modern humans can be used as a controlling instance, whereby all the developmental steps carried out more than 100,000 years ago are just conjectures.
    The socio-cultural factor in different cultures had a significant impact and contributed to the emergence of many different languages. This makes it difficult to understand their history of development because of the rapid change of styles even today. Thus, a few millennia of written testimonies from the ancient civilizations are the only reliable indicators for sections of language development.
    The extent to which ideologies have been able to penetrate the scientific debate is shown by the vast number of contradictions and contradictory assertions of nativism, interactionism, cognitivism, and behaviorism, which, from today's point of view, seem sketchy to nonsensical.
    To clarify the language chaos, the search for an underlying grammar on which all languages are based was initiated to find parallels based on the language development of bilingual children, deaf-mute children and the development of Creole languages. Since there are such differences in the prerequisites in these three groups of subjects alone, and a forced finding of contexts of any experimental seriousness is not an ultima ratio, these results should also be treated with caution. Because the difference between learning two languages simultaneously, the lack of two essential senses or the development of alternative words in times of slavery merely is too blatant.
    One of the intuitively correct assumptions is that language emerged primarily as a communication tool between children and mothers and then spread out in society. It is also interesting to study how words even have different effects on the thought patterns and mentalities of the respective population and, as in primatology, try to get to the bottom of essential differences by comparing human and animal forms of communication.
    From the current research, one hopes to arrive at conclusive traceability of the development of primate language to human language. As an illustrative example of the rate of change, one picks up only two arbitrary texts from the last 500 years to see how difficult it is for even knowledgeable speakers to deal with the ancestors of their mother tongue.
    Moreover, that our current language model will in future no longer be a rustic, almost impossible to read or even without detailed information on grammar comprehensible footnote of the story. From this point of view, it seems almost presumptuous to look back on the supposedly primitive languages of the past. Alternatively, the ones of monkeys.

    Verständliche Erläuterung der zu größten Teilen auf Hypothesen fußenden Erklärungen zur Sprachentwicklung

    Zimmer gelingt es, einen guten Überblick über die verschiedenen Ansätze von Sprachforschern, Anthropologen und Medizinern zur Erklärung der Entwicklung der Sprachfähigkeit des Menschen zu liefern. Wobei grundsätzlich, außer sich entweder krass entgegen gesetzten Theorien oder bereits widerlegten Thesen, die teils extreme Einschläge durch die zur Zeit der Entstehung modische Weltanschauung hatten, bis heute nichts wirklich profundes zur Entwicklung der menschlichen Sprache gesagt werden kann. Im Gegensatz zu anderen Forschungsbereichen, in denen das Voranschreiten der technischen Möglichkeiten noch viele Offenbarungen liefern wird, stellen sich bei verbalen Angelegenheiten Probleme ein.
    Zum einen lässt sich vom Neurologischen her nur die Zeitspanne des modernen Menschen als Kontrollinstanz nutzen, wodurch alle von vor über 100.000 Jahren vollzogenen Entwicklungsschritte nur Vermutungen darstellen. Der soziokulturelle Faktor in verschiedenen Kulturkreisen hatte einen wesentlichen Einfluss und dadurch auch zur Herausbildung vieler unterschiedlicher Sprachen beigetragen. Dadurch lässt sich deren Entwicklungsgeschichte aufgrund der schnellen Veränderung von Sprachen selbst heute nur schwer nachvollziehen. Somit bleiben ein paar Jahrtausende mit schriftlichen Zeugnissen der einstigen Hochkulturen als einzige zuverlässige Indikatoren für Teilabschnitte der Sprachentwicklung.
    Wie stark sich Ideologien in die wissenschaftliche Debatte eingraben konnten, zeigen die Unmengen an Widersprüchen und gegensätzlichen Behauptungen von Nativismus, Interaktionismus, Kognitivismus und Behaviorimus, die teils unter heutigen Gesichtspunkten grenzwertig bis unsinnig erscheinen. Im Versuch, Klarheit ins Sprachenchaos zu bringen, wurde die Suche nach einer allen Sprachen zugrunde liegenden Grundgrammatik initiiert, um anhand der Sprachentwicklung zweisprachig aufwachsender Kinder, taubstummer Kinder und der Entwicklung von Kreolsprachen Parallelen finden zu können. Da allein bei diesen 3 Probandengruppen derartige Unterschiede in den Voraussetzungen bestehen und ein erzwungenes Finden von Zusammenhängen bar jeglicher experimenteller Seriosität keine Ultima Ratio darstellt, sind auch diese Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen. Denn der Unterschied zwischen dem gleichzeitigen Erlernen zweier Sprachen, dem Fehlen von 2 wesentlichen Sinnen oder der Entwicklung von Behelfssprachen in Zeiten von Sklaverei ist einfach zu eklatant.
    Eine der intuitiv richtig anmutenden Annahmen ist, dass Sprache primär als Kommunikationsinstrument zwischen Kindern und Müttern entstand und sich davon ausgehend in der Gesellschaft ausbreitete.
    Interessant auch die Forschungen dazu, wie sich die Sprachen sogar unterschiedlich auf die Denkmuster und Mentalitäten der jeweiligen Bevölkerung auswirken und wie in der Primatologie versucht wird, durch Vergleiche von menschlichen und tierischen Kommunikationsformen den wesentlichen Unterschieden auf den Grund zu gehen. Anhand der laufenden Forschungen erhofft man zu einer schlüssigen Nachvollziehbarkeit der Entwicklung von Primatensprache zu Menschensprache zu kommen.
    Als anschauliches Beispiel der Veränderungsgeschwindigkeit nehme man nur zwei beliebige Texte aus den letzten 500 Jahren zur Hand, um zu erkennen, wie schwer es selbst kundigen Sprechern fällt, sich mit den Ahnen ihrer Muttersprache auseinander zu setzen. Und dass auch unser aktuelles Sprachmodell in Zukunft nicht mehr als eine rustikale, fast unmöglich zu lesende oder gar ohne Detailinformationen zu Grammatik nachvollziehbare Fußnote der Geschichte sein wird. Unter diesem Gesichtspunkt erscheint es fast anmaßend, auf die vermeintlich primitiven Sprachen der Vergangenheit zurück zu blicken. 9783453600652 Wörter sind Symbole für die Konzepte in unserem Kopf. Wörter vertreten nicht die Dinge selbst. Sie vertreten die Ordnung, die unser Geist den Dingen gibt. Darum ist es auch so hoffnungslos, der wahren Bedeutung der Worte nachzujagen; oder gar dem Wesen der Dinge näherkommen zu wollen, indem man Begriffe anstiert und immer spitzfindiger definiert. Die wahre Bedeutung des Wortes Tisch findet sich nicht draußen bei den Tischen dieser Welt. Das Wort Tisch bedeutet das Konzept, das es in einer bestimmten Situation, in einem bestimmten Zusammenhang bei einem bestimmten Hörer evoziert.
    (Dieter E. Zimmer)

    Das Thema Sprache fasziniert wohl jeden Leser, allerdings verschließen sich sprachwissenschaftliche Bücher dem Hobbyleser zumeist, sind sperrig und werden gerne missverstanden.
    Wie schön, dass es Autoren wie Dieter E. Zimmer gibt, die komplexe Themen ohne sie unzulässig zu vereinfachen wissenschaftsjournalistisch aufbereitet verständlich zum Leser bringen. 9783453600652 Die Frage, wie sich die Sprache beim Menschen entwickelt hat, ist nur eine von denen, die der Autor in diesem Buch behandelt. Die behandelten Themen (obwohl alle mit Sprachentwicklung befaßt) sind vielfältig. Unüblicherweise werde ich hier nur die Fragen erwähnen, denen sich das Buch widmet - die Antworten muß man sich dann erlesen. Was ist der Ursprung der Sprache? Entstand sie aus Nachahmung, Emotionsausdrücken, Lautmalereien? Wie lernen Kinder die Komplexität der Sprache? Nur durch Nachahmung der Eltern, oder haben sie eine angeborene Grammatik? Was beinhaltet Chomskys Transformationsgrammatik, die nach seiner Theorie jedem Menschen angeboren ist, und welche Alternativen und Kritikpunkte gibt es zu dieser Theorie? Gibt es eine ursprüngliche Grammatik und Sprachen, die dieser näher sind als andere? Und können Sprachen primitiver oder entwickelter sein? Wie wird Sprache im Gehirn verarbeitet, und wie arbeiten die beiden Gehirnhälften zu diesem Zweck zusammen? Inwieweit können Tiere Sprache lernen (nicht unsere gesprochene, denn dazu fehlt ihnen die richtige Physiologie, aber Zeichen- und Symbolsprache)? Wie plausibel ist die (Sapir-)Whorf-Hypothese, nach der die Sprache das Denken regiert, also nur gedacht werden kann, wofür unsere Sprache Wörter hat? Welche anatomischen Anpassungen waren für die Sprache nötig, und welche Hinweise gibt es zu der Geschichte dieser Anpassungen? Es ist ein weites Feld, das Dieter Zimmer hier beackert, und er löst die Aufgabe im Rahmen des Möglichen gut. 9783453600652